KORONA Lichtplanung

Thomas Marggraf
Lichtplaner
Dipl.-Ing. (FH) Architektur

Krausstraße 19
89077 Ulm

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Regio TV

In der Sendung BAUEN & WOHNEN vom 23. Januar 2017 spricht Thomas Marggraf im Interview über das richtige Lichtkonzept für das Wohlbefinden auch in den dunklen Tagen des Jahres (ab 9'35''). weiter

Farbe und Licht

Psychophysiologische Wirkung von Farbe und Licht

Professor Dr. Wohlfarths Untersuchungen an Schulkindern

Dr. Wohlfarth entwickelte eine Reihe von Experimente, um die Wirkung von Licht und/ oder Farben im Rahmen der schulischen Umgebung auf bestimmte physiologische Faktoren, auf Verhalten und Lernfähigkeit zu prüfen. 1981 führte er zusammen mit seiner Mitarbeiterin Catherine Sam eine Studie am Elves Memorial Child Development Centre durch, eine Schule für behinderte Kinder in Edmonton/ Kanada. Bewertet wurde die kombinierte Wirkung von bestimmten Farben und Vollspektrumbeleuchtung auf Verhalten und Physiologie von blinden Kindern mit schweren Verhaltensstörungen und sehenden Kindern mit anderen schweren Behinderungen. Zweimal wurden die physiologischen Werte und das Verhalten überwacht und bewertet, einmal, bevor man Vollspektrumbeleuchtung installiert und die Wänden in ausgewählten warmen Farben gestrichen hatte, und einmal, nachdem diese räumlichen Veränderungen durchgeführt waren. Die Entscheidung, die Wände zu streichen, fiel aufgrund der Arbeiten des Münchener Psychologen Henner Ertel, der festgestellt hat, daß die Verwendung heller, warmer Farben wie Gelb und Orange bei Schulkindern den Intelligenzquotienten und die schulische Leistung erhöht (H. Ertel: Kinder-Farbstudien, München 1978).

Die Ergebnisse waren hochsignifikant. In den neu gestrichenen Räumen mit Vollspektrumbeleuchtung sank der systolische Blutdruck der Kinder um durchschnittlich 20 Punkte, und das Verhalten verbesserte sich drastisch (was besonders an einem Rückgang der Aggressivität abzulesen war). Als man jedoch die Vollspektrumröhren wieder durch die ursprünglichen kühlweißen Leuchtstoffröhren ersetzte, stieg der Blutdruck wieder und die Kinder wurden von neuem wesentlich unruhiger. Eine weitere interessante Erkenntnis ist die Tatsache, daß die Wirkung sowohl bei sehenden als auch bei blinden Versuchspersonen eintrat.
Diese Untersuchungen bestätigt die psychophysiologische Wirkung von Farbe und Licht und ihren Einfluß auf menschliches Verhalten. Allerdings wurde dabei der Einfluß der Farbe nicht von dem des Lichts getrennt. Um diesen Unterschied klarer herauszuarbeiten, entwickelte Wohlfarth eine neue umfassende Studie, in der er weit mehr Variablen als je zuvor gleichzeitig untersuchte. Im Schuljahr 1982/83 führte er parallel mehrere Forschungsprojekte an vier Grundschulen in Wetaskiwin in der kanadischen Provinz Alberta durch. Die ursprünglichen Wandfarben Orange, Weiß, Beige und Braun ersetzte er durch hellgelbe und hellblaue Farbtöne, kühlweiße Leuchtstoffröhren durch Vollspektrumlicht. Ziel der Studie war die Bewertung der Wirkung unterschiedlicher Beleuchtungs- und Farbverhältnisse auf systolischen Blutdruck, Gemütsverfassung, krankheitsbedingtes Fehlen, Disziplin, Geräuschpegel im Klassenzimmer, IQ- Werte und schulische Leistung während eines ganzen Schuljahres. In den vier Schulen wurden unterschiedliche Maßnahmen durchgeführt:

  • Die erste Schule dient als Kontrollgruppe und wurde im ursprünglichen Zustand belassen.
  • In der zweiten Schule wurden sowohl die Beleuchtung als auch die Wandfarbe verändert.
  • In der dritten Schule wurde nur die Beleuchtung verändert.
  • In der vierten Schule wurden nur die Wandfarben verändert.

Die Ergebnisse waren beeindruckend. Die besten Ergebnisse auf allen Gebieten außer Disziplin wurden in der zweiten Schule beobachtet, wo man Beleuchtung und Wandfarben verändert hatte. Am schlechtesten schnitt die erste Schule ab, in der man weder Beleuchtung noch Wandfarbe verändert hatte. In der zweiten Schule waren die Schüler weniger gestreßt und ruhiger, litten weniger unter Stimmungsschwankungen, zeigten die stärkste Verbesserung des IQ- Tests und schulischen Leistungen und waren nur ein Drittel so oft krank wie die Kinder in der ersten Schule. Die Zahl der Disziplinarvergehen war in der vierten Schule am geringsten, in der man nur Wandfarben verändert hatte. Alle diese Werte wurden während eines ganzen Schuljahres regelmäßig aufgezeichnet, was die Gefahr der Fehlinterpretation wesentlich reduzierte. Angesichts solcher Ergebnisse und der Tatsache, daß Dr. Wohlfarth als einer der führenden Farbforscher der Welt gilt, fragt man sich, weshalb nicht alle Klassenzimmer für Kinder in diesen warmen Farbtönen gestrichen und mit Vollspektrumbeleuchtung ausgestattet werden.

Die Wandfarben von Professor Dr. Wohlfarth

Professor Dr. Wohlfarth benutzte bei seinen Untersuchungen die folgenden Farben:

  • Warmes Hellgelb auf den drei Wänden vor den Schülern und seitwärts von ihnen.
  • Warmes Hellblau auf der Rückseite des Klassenraums und dem Lehrer zugewandten senkrechten Fläche der Schulbänke.
  • Blau für die Tafel.
  • Warmes Hellgelb zur Anregung langsamerer Schüler; warmes Hellblau zur Entspannung hyperkinetischer Schüler in Sonderschuleinrichtungen, Förderklassen u.s.w.
  • Warmes Goldgrau für den Teppichboden.

H. Wohlfarth u. S.C. Wohlfarth: The Effect of Color-Psychodynamic Environmental Modification upon Psychophysiologiecal and Behavioral Reactions of Severely Handicapped Children, International Journal of Biosocial Research, 3, Nr.1, 1982, S. 10-38